Streitaxt und Hellebarde

Auf den Schlachtfeldern der Vergangenheit kam auch die Streitaxt bzw. die Kriegsaxt zum Einsatz und das von frühester Menschheitsgeschichte an bis hin zum Spätmittelalter. Bekannter Vertreter dieser Waffengattung ist zum Beispiel die Bartaxt, die berühmte Wikingeraxt, die man aus so mancher TV-Serie kennt oder die Dänenaxt. Die beachtliche Zeitspanne des Einsatzes hat einen guten Grund, auf den ich in nachfolgendem Artikel besonders eingehen möchte. Ich möchte Ihnen auch aufzeigen worauf man achten sollte, wenn man sich eine Hellebarde kaufen möchte und wie das deutsche Waffengesetz eine Kampfaxt einschätzt.


Bartaxt, Dänenaxt und Hellebarde im Vergleich

Hanwei Bartaxt Antikfinish


Bartaxt
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Typ:

einhändig

Klingenmaterial:

Kohlenstoffstahl

Blattlänge:

ca. 15,2 cm

Schaftmaterial:

Hartholz

Gesamtlänge:

ca. 77,5 cm

Gewicht:

ca. 1.984 g


Cold Steel 89VA Wikinger Axt


Viking Axe
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Typ:

zweihändig

Klingenmaterial:

1055 Kohlenstoffstahl

Blattlänge:

ca. 24,5 cm

Schaftmaterial:

Hickory-Holz

Gesamtlänge:

ca. 132 cm

Gewicht:

ca. 2.100 g


Haller Deutsche Hellebarde


Hellebarde
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Typ:

zweihändig

Klingenmaterial:

Kohlenstoffstahl

Blattlänge:

ca. 29 cm

Schaftmaterial:

Holz

Gesamtlänge:

ca. 230 cm

Gewicht:

2.300 g



Was spricht das Waffengesetz zur Kampfaxt & Hellebarde?

Bevor Sie sich nun eine Bartaxt oder eine Hellebarde kaufen, sollten Sie noch einen Blick auf die aktuelle rechtliche Situation dieser Hiebwaffen werfen, um nicht in Konflikt mit dem Waffengesetz zu geraten. Hierbei möchte ich Ihnen bestmöglich zur Seite stehen, doch bitte sehen Sie dies nicht als verbindliche Rechtsberatung an, ich bin am Ende des Tages doch kein Rechtsanwalt.

Was sagt das Waffengesetz zur Kampfaxt?

Nach reichlicher Eigenrecherche kann ich sagen, dass eine Axt vom Prinzip her als Werkzeug eingestuft ist und somit keinen Auflagen aus dem Waffengesetz unterworfen ist. Demnach ist diese ohne Beschränkung frei verkäuflich und kann besessen und sachgemäß verwendet werden. Doch dies gilt nur für Holzäxte und solche die diesen optisch stark ähneln.

Bei Streitäxten mit Ihrem martialischen Aussehen ist dies leider anders, denn diese sehen nicht nur nicht wie ein reguläres Modell aus, sondern taugen auch nicht zum Holzhacken. Dieses Argument gilt natürlich auch für Hellebarden, hier vielleicht sogar noch mehr.

Da diese dazu ausgelegt sind die Angriffs-/ und Verteidigungsfähigkeit eines Menschen zu reduzieren, sind diese rechtlich als Hieb- und Stichwaffe eingestuft. Nicht zuletzt waren diese ja über Jahrhunderte gefürchtete Angriffswaffen. Dies bedeutet kurz und knapp, dass Sie eine Hellebarde nach dem Waffengesetz zwar ab 18 legal kaufen, aber nicht in der Öffentlichkeit führen dürfen.

Falls Sie diese aber für Schaukämpfe einsetzen möchten, dürfen Sie dies, aber nur wenn die Klingen deutlich abgestumpft worden sind. Dann dürfen diese in aller Regel für Sportzwecke und zur Brauchtumspflege verwendet werden. Vor einer Veranstaltung macht es aber in jedem Fall Sinn sich noch einmal beim örtlichen Ordnungsamt zu informieren, um auf der sicheren Seite zu sein. Als Dekorationsobjekt sind diese natürlich auch gar kein Problem.


Was versteht man unter einer Streitaxt?

Im Altertum kamen auf den Schlachtfeldern Europas neben Schwertern und Streitkolben auch Äxte zum Einsatz; die sogenannte Kampfaxt. Diese kam sowohl in den Händen von Fußsoldaten zum Einsatz, aber war auch bei Reitern durchaus beliebt. Je nach Epoche und Volk, wiesen diese verschiedene Kopfformen- bzw. -längen und Stiellängen auf. Die Streubreite bewegt sich hier ungefähr zwischen 30 cm und 1,5 m. So gab es auch sogenannte Doppeläxte, die über zwei Klingen verfügten.

Wie Sie in obenstehender Tabelle schon sehen können, gibt es Modelle, die einhändig geführt werden, um den Einsatz eines Schildes zu ermöglichen. Aber auch zweihändige Modelle waren üblich, um eine größere Reichweite und Durchschlagskraft zu erzielen. Im untenstehenden Video können Sie sich selbst vom Schadenspotential der zweihändigen Wikingeraxt von Cold Steel überzeugen.

Um auf dem Schlachtfeld auch über längere Zeit geführt werden zu können, ohne zu ermüden, ist eine Kriegsaxt deutlich leichter als eine heutige Werkzeugaxt zum Holzspalten. Die Klinge ist hierfür deutlich schmäler gearbeitet, um auch Rüstung durchschlagen zu können. Auch Aussparungen im Blatt sind keine Seltenheit. Übliche Gewichte bewegen sich zwischen 0,5 und 3 kg. Besonders bekannt ist hier auch die Bartaxt, die berühmte Wikingeraxt. Diese zeichnet sich durch ein einschneidiges, nach unten gezogenes Blatt aus.

Auch wenn eine Streitaxt im Vergleich zu einem fein geschmiedeten Schwert eher plump wirkt, darf man seine Wirksamkeit im Kampf nicht unterschätzen. Nicht umsonst waren diese selbst im Hochmittelalter noch im Einsatz. Durch die kopflastige Gewichtsverteilung eignen sich diese zwar weniger zum Fechten, aber sind optimal zum Durchlagen von Rüstung; selbst schwerere Plattenrüstungen stellen kaum ein Problem dar. Zudem sind diese deutlich günstiger als ein Schwert und deutlich robuster. Es gibt also durchaus entscheidende Punkte die dafür sprechen sich eine Dänenaxt kaufen zu wollen.

Bartaxt und Kampfaxt in Nahaufnahme

Zwar kann eine Kampfaxt durchaus schneiden, das Schadenspotential entsteht aber hauptsächluch durch die Wucht des Schlags. Oft waren auf der Rückseite des Axtblatts Schlagdorne angebracht, um die panzerbrechende Wirkung zu erhöhen. Durch das höhere Gewicht und die Kopflastigkeit, kann die Richtung des Schlags nicht schnell geändert oder drastisch abgebremst werden. Es empfiehlt sich diese stets in Bewegung zu halten. 

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Unterschied zur Hellebarde

Aus der regulären Kampfaxt entwickelte sich nach und nach die Hellebarde, nicht zuletzt auf Grund der stetig besser und effizienter werdenden Panzerung, gegen die es die bisherigen Blankwaffen zunehmend schwerer hatten anzukommen. Diese Hieb- und Stichwaffen zeichnete zum einen der deutlich längere Schaft aus; 2 m Länge waren hier keine Seltenheit. Die Hellebarde hatte meist eine lange (Barte) und eine kurze Klinge (Haken). An der Spitze saß oft noch eine speerähnliche Spitze. Diese Waffen vereinigten somit eine Vielzahl an Funktionen in sich, was sie so erfolgreich in Schlachten machte. So kann mit dieser geschlagen, gestochen und gerissen werden. Wenn bei einem Stich also der Gegner verfehlt worden war, konnte man durch ein anschließendes Anreißen noch immer schlimmste Verletzungen hervorrufen.

Durch die große Schaftlänge waren zu dem natürlich auch extrem wuchtige Schläge möglich, die selbst Plattenrüstungen wenig Chancen offen lassen. Man selbst war natürlich zumeist in sicherer Entfernung zum Ziel. Zudem eignete sich die Länge bestens, um auch berittene Soldaten zu bekämpfen. Über die Zeit entwickelten sich hier aber auch abweichende Blattformen; immer angepasst an die aktuellen Gegebenheiten.


Worauf beim Kauf einer Bartaxt oder Hellebarde achten?

Bevor Sie sich nun eine Dänenaxt oder eine Bartaxt kaufen, sollten Sie sich noch ein paar grundsätzliche Gedanken machen. Zu allererst sollten Sie sich darüber Gedanken machen, ob Sie Ihre Kampfaxt einhändig oder zweihändig führen möchten. In aller Regel geht dies immer mit der Frage einher, ob Sie parallel ein Schild tragen möchten. Falls ja, kommt nur eine Einhandaxt in Frage. Auch wenn viele Videospiele etwas anderes suggerieren, kann eine Hellebarde selbst vom stärksten Menschen nicht effektiv einhändig geführt werden. Hierfür liegt der Schwerpunkt zu weit vorne.

Entscheiden Sie sich für ein zweihändiges Modell, mit entsprechend langem Schaft, sollten Sie zudem darauf achten, dass dieser durchgängig und nicht teilbar ausgeführt ist, wenn Sie mit der Waffe auch tatsächlich üben möchten. Eine Verbindung ist hier stets eine Schwachstelle und kann schnell zum Bruch führen. Wenn Sie sich oben gezeigte Haller Hellebarde kaufen möchten, empfehle ich hier den Schaft durch eine durchgängige Variante aus Hartholz zu ersetzen. Damit gehen Sie auf Nummer sicher.

Wie eben erwähnt sollte der Schaft stets aus bruchbeständigen Hartholz bestehen, das die Belastungen beim Auftreffen auch auf Dauer übersteht. Das Blatt selbst sollte aus Kohlenstoffstahl bestehen, um nicht so schnell auszubrechen. Edelstahl wäre hier zwar pflegeleichter, aber eben auch spröder und somit weniger gut geeignet. Weiterhin sollten Sie meiner Meinung nach Qualitätsware namhafter Hersteller kaufen, um sicher zu gehen, dass es zu keinen Abplatzungen oder gar Brüchen kommt, was unter Umständen zu schweren Verletzungen führen könnte. Mit oben gezeigten Modellen sollten Sie demnach wenig falsch machen.

Hellebarde kaufen

Auf die richtige Pflege der Kriegsaxt kommt es an

Wie Sie sich sicher vorstellen können, wirken auf die Schneiden von Äxten ähnlich große Belastungen wie bei Schwertern. Da diese zudem im Schnitt etwas weicher sind, verlieren diese mit der Benutzung natürlich zunehmend an Schärfe. Zwar muss eine Kriegsaxt nicht so scharf geschliffen werden wie andere Blankwaffen, da es sich dabei ja um kopflastige Hiebwaffen handelt, die in erster Linie nicht zum Schneiden konzipiert worden sind. Auf einer zielführenden Gebrauchsschärfe sollte man diese dann aber doch halten. In meinen Augen kann man ausgeprägte Scharten und umgebogene Klingensegmente ruhig mit einer Feile ausbessern, falls noch möglich. Sie werden überrascht sein welch harte Klingen damit noch zu bearbeiten sind. 

Anders als in meinem Beitrag "Messer schärfen" würde ich hier sogar soweit gehen und behaupten, dass der Schliff mit Wassersteinen ein bisschen zu viel des Guten wäre. Der Schliff mit einem ausreichend großen Abziehstein führt auch zu einer guten Gebrauchsschärfe.

Möchte man das Schleifen schnell hinter sich bringen, ist in meinen Augen auch der vorsichtige Einsatz einer Doppelschleifmaschine gut geeignet. Besonders dann wenn diese über ein zusätzlichen Bandschleifer verfügt. Ich habe Ihnen mal meinen Bandschleifer von Metabo verlinkt.

Kriegsaxt bzw. Streitaxt mit anderer Ritterausrüstung

Bei einer Kriegsaxt kommt in aller Regel Kohlenstoffstahl zum Einsatz. Diese sind auf Grund ihrer geringen Legierungselementgehalte weniger spröde als rostfreier Edelstahl und eignen sich hier demnach besonders. Der Nachteil dieser Stahlsorten ist allerdings deren fehlende Rostfreiheit. Diese neigen dazu unter Feuchtigkeitszutritt zu korrodieren. Doch keine Sorge, mit der richtigen Pflege passiert hier nichts! Reinigen Sie Ihre Hellebarde nach der Benutzung einfach gründlich, trocknen diese sorgfältig und tragen anschließend ein geeignetes Öl auf den blanken Stahl. Das Öl verhindert den Zutritt von Wasser. Somit bleibt die Klinge rostfrei. Ich empfehle die Kampfaxt in trockenen Bedingungen innerhalb der zugehörigen Scheide zu lagern. So haben Sie garantiert lange Freude an ihrer Hiebwaffe.


FAQ

Ist eine Axt nach dem Waffengesetz ein Werkzeug?

Eine reguläre Axt ist nach dem Waffengesetz tatsächlich ein Werkzeug und nicht automatisch eine Waffe, da diese in erster Linie nicht dazu dient die Angriffs- und Abwehrfähigkeit von Menschen herabzusetzen.
Dies sieht bei einer Kriegsaxt allerdings etwas anders aus.

Ist eine Streitaxt oder eine Hellebarde nach dem Waffengesetz legal?

Eine Streitaxt, wie auch eine Hellebarde, ist nach dem Waffengesetz eine Hieb- und Stichwaffe.
Das heißt, diese dürfen Sie mit 18 Jahren legal kaufen und besitzen.
Außerhalb Ihres befriedeten Besitztums dürfen Sie diese allerdings nicht führen.

Was war die Streitaxt der Wikinger?

Die bekannteste Streitaxt der Wikinger wär die Dänenaxt.
Hierbei handelt es sich um eine Streitaxt mit langem Stiel, die sowohl ein- als auch zweihändig geführt werden kann.
Das mächtige Blatt war einschneidig und gebogen.

Darf eine Kriegsaxt auf Mittelaltermärkten mitgeführt werden?

Bei Hieb- und Stichwaffen gibt es nach dem Waffengesetz die Ausnahme, dass diese zu einem allgemein anerkannten Zweck mitgeführt werden dürfen.
Meiner Auffassung nach, sollten hier auch Mittelaltermärkte und Schaukämpfe dazu zählen.
Die Schneide sollte hier aber unbedingt stumpf sein. Informieren Sie sich hier aber stets im Vorfeld bei der zuständigen örtlichen Behörde.