Streitkolben und Kriegshämmer

Streitkolben und Kriegshämmer

Bereits in der Steinzeit wurde der Urvater dieser Waffengattung erfolgreich eingesetzt, die simple Keule. Mit dem Voranschreiten der Rüstungstechnik entwickelten sich aus diesem einfachen Konzept über die Jahrhunderte ausgeklügelte Streitkolben, die in der Lage waren selbst dicke Plattenpanzerungen zu durchschlagen. Allen voran der Rabenschnabel, ein eigens hierfür konzipierter Kriegshammer. Erfahren Sie nachfolgend worin der Unterschied zwischen einem Streitflegel und einem Streithammer liegt und worauf Sie achten müssen, wenn Sie einen Morgenstern kaufen möchten. Und ist der Besitz eigentlich erlaubt? Die Antwort auf diese Frage finden Sie ganz unten.


Beliebte Haumesser im Vergleich

Cold Steel Kriegshammer


Typ:

Kriegshammer/ Rabenschnabel

Material:

Kohlenstoffstahl 1055

Gesamtlänge:

ca. 76 cm

Schaftmaterial:

Hickory Holz

Gewicht:

ca. 1000 g


United Cutlery M48 Kommando


Typ:

Kriegshammer/ Rabenschnabel

Material:

2Cr13 Edelstahl

Gesamtlänge

ca. 96,2 cm

Schaftmaterial:

Glasfaserverstärkter Kunststoff

Gewicht:

ca. 1470 g


Cold Steel polnischer Streitkolben


Typ:

Streitkolben

Material:

Kohlenstoffstahl 1055

Gesamtlänge

ca. 47,9 cm

Schaftmaterial:

Kohlenstoffstahl 1055

Gewicht:

ca. 1094 g



Unterschied Streitkolben und Kriegshammer

Wenn man den Begriff Streitkolben hört, kann sich vermutlich jeder grob etwas darunter vorstellen, doch hier gibt es etliche verschiedene Typen, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben und für die unterschiedlichsten Aufgaben vorgesehen sind. Nachfolgend erfahren Sie was sich hinter den einzelnen Modellen und Begriffen verbirgt.

Der klassische Streitkolben und der Morgenstern

Ein Streitkolben ist im Prinzip die logische Weiterentwicklung und Verbesserung der einfachen Keule, die man schon in der Steinzeit als Waffe kannte. Im Gegensatz zur Urform, besteht hier der Schlagkopf aus Stein, bzw. später aus Stahl und der Schaft aus einem belastbarem Holz bzw. ebenfalls aus Stahl, idealerweise aus einem Stück. Der Kopf war zudem in aller Regel symmetrisch ausgeführt, um die volle Wirkung aus jeder Richtung zu erreichen, ohne den Schlag zu präzise platzieren zu müssen.

Der Schaden am Ziel wird rein durch die Wucht des Schlages realisiert. Eine Penetration findet hierzu in aller Regel nicht statt, jedoch gibt es durchaus auch Varianten mit zusätzlichen Klingen oder Dornen, um den Schaden an weichen Zielen zu maximieren. Ist der Kopf mit Dornen besetzt, spricht man in aller Regel vom Morgenstern, den viele vermutlich noch aus der Kindheit kennen. Ist der dornige Kopf durch eine Kette mit dem Schaft verbunden, spricht man streng genommen von einem Streitflegel. Mehr hierzu finden Sie weiter unten.

Durch die große Wucht und die Tatsache, dass die Waffe nicht zwingend eindringen muss, um Schaden zu verursachen, eignet sich ein Streitkolben bestens zum Kampf gegen gepanzerte Ziele. Ein Treffer auf einen Helm beispielsweise kann trotz der Panzerung zu schwersten Verletzungen und zur Kampfunfähigkeit des Ziels führen. Wie die anderen hier vorgestellten Typen, genoss diese Waffe trotz Ihrer Effektivität und des geringen Preises besonders beim Adel kein besonders hohes Ansehen, da diese doch von eher plumber Gestalt sind und nach wie vor das Schwert das Statussymbol der Wahl war. Mit dem Voranschreiten der Plattenrüstung, änderte sich dies aber drastisch. 

Streitkolben oder Morgenstern kaufen?

Der Streithammer bzw. Rabenschnabel

Wie eben erwähnt schritt die Entwicklung immer besser und effizienter werdender Plattenrüstungen schnell voran, was natürlich auch durch entsprechende Waffenoptimierungen kompensiert werden musste. Somit entwickelte man nach und nach den heute als Rabenschnabel genannten Streithammer. Eine Kombination aus einem panzerbrechenden, oft speziell gehärteten Dorn und einem Hammer. Der Schaft ist in aller Regel mindesten 50 cm lang, zumindest wenn er einhändig geführt wird. Mit dem Dorn war man in der Lage selbst die beste Panzerung mit ausreichend Wucht aufzubrechen und den Träger zu verletzen.

Die stumpfe Seite konnte leichte Panzerung schwer beschädigen und beim gepanzerten Soldaten durch die schweren Erschütterungen sogar trotz Panzerung Knochenbrüche hervorrufen. Auch wenn gepanzerte Krieger hierdurch nicht gleich getötet wurden, machte man diese damit zu leichten Zielen. Das Kämpfen und Atmen wurde durch die Verletzungen und die eingeschränkte Atmung durch die verbeulte Rüstung zunehmend erschwert. Wie auch beim Streitkolben, bestand der Kopf in aller Regel aus Stahl und der Schaft aus sehr zähem Holz, um ein Splittern möglichst auszuschließen. Die Durchschlagskraft dieser Waffen sehen Sie in unten stehendem Video anhand des Cold Steel Kriegshammer.

Der Streitflegel

Dass diese Waffengattung aus dem Dreschflegel, einem landwirtschaftlichen Werkzeug, entwickelt worden ist, ist relativ leicht auszumachen. Wie bei diesem, ist bei dem Streitflegel, der Schlagkopf durch eine Kette bzw. einen Lederriemen mit dem hölzernen Schaft verbunden. 

Wie ein Streitkolben bzw. ein Morgenstern, bestanden die späteren Modelle meist aus einer stählernen, mit Dornen besetzten Kugel, die über eine Stahlkette an dem hölzernen, rund 50 cm langen Schaft befestigt ist.

Durch die Kette wird ein größerer Abstand zwischen dem Drehpunkt des Schlags und dem Schlagkopf erzeugt. Damit wird durch den Schlag auch eine größere Geschwindigkeit der Kugel ermöglicht. Doch durch die Kette springt der Schlagkörper nach dem Auftreffen unkontrolliert herum, was unter Umständen auch zu einer Verletzung des Benutzers führen kann.

Kriegshammer und Streitflegel

Morgenstern kaufen - Worauf achten?

Bevor Sie sich nun einen Kriegshammer bzw. Rabenschnabel kaufen, sollten Sie noch ein paar Punkte beachten. In meinen Augen ist es vor allem wichtig, dass für den Schaft ein geeignetes Material genutzt wird, was besonders schlagzäh ist und bei den großen Belastungen beim Auftreffen des Hammerkopfes auf das Ziel auch Wochen und Monate schadenfrei übersteht. Hier eignet sich in meinen Augen hauptsächlich Hartholz, wie es auch für Axtschäfte zum Einsatz kommt. Alternativ ist auch glasfaserverstärkter Kunststoff eine gute und preiswerte Alternative. Beispielsweise ist faserverstärktes Polypropylen wahnsinnig schlagzäh und eignet sich demnach bestens für diese Anwendung. Zudem sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es im Bereich des Kopfes keine Verjüngungen im Schaft gibt. Damit meine ich, dass der Stiel lokal nicht stark im Durchmesser abnehmen darf. Hierdurch bilden sich beim Schlag Spannungsspitzen, die zum frühzeitigen Versagen des Hammers führen können. Unter Umständen bilden sich hier sogar gefährliche Splitter.

Der Rabenschnabel, ein Streithammer eignet sich bestens zum Durchschlagen von Rüstung

Zudem sollten Sie sich Gedanken darüber machen, gegen welche Ziele Sie den Streithammer einsetzen möchten. Gegen weiche und wenig gepanzerte Ziele eignet sich ein normaler Kriegshammer oder eine Keule bestens. Gegen Plattenpanzer sind vor allem solche Modelle mit einer rüstungsbrechenden Spitze geeignet, wie etwa der Rabenschnabel. Bezüglich des Materials würde ich persönlich zu Kohlenstoffstahl greifen. Zwar ist dieses nicht korrosionsbeständig, aber in aller Regel zäher als Edelstahl, das auf Grund der hohen Anteile an Legierungselementen recht spröde ist. 

Um Korrosion zu vermeiden, sind Modelle aus nicht rostfreiem Stahl meistens entsprechend beschichtet. Möchten Sie neben dem Kriegshammer ein Schild nutzen, sollten Sie zu einem kürzeren Modell greifen, das Sie einhändig führen können. Möchten Sie sich einen Streitflegel kaufen, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Kugel ein ganzes Stück oberhalb Ihrer Hand hängt, mit der Sie den Schaft halten. Die Kette darf somit nicht zu lang sein. Andernfalls laufen Sie Gefahr Ihre Hand bei der Benutzung schnell in Mitleidenschaft zu ziehen.


Wie werden Streitkolben rechtlich behandelt?

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte zur rechtlichen Situation im Umgang mit Streitkolben verlieren, da es hierzu online noch nicht allzuviel gibt. Nach einiger Recherche, kann ich nachstehendes mit gutem Gewissen von mir geben, auch wenn ich keine juristische Ausbildung genießen durfte. Bitte verstehen Sie dies aber nicht als verbindliche Rechtsberatung, lesen Sie zur Sicherheit immer selbst einmal in der aktuellen Fassung des Waffengesetzes nach.

Prinzipiell ist ein Streithammer oder ein Streitflegel natürlich anders zu bewerten als ein herkömmlicher Werkzeughammer. Die zivile Variante ist ein Werkzeug und kann daher uneingeschränkt besessen und herumgetragen werden, vielleicht nicht unbedingt auf dem Volksfest. Bei einem Rabenschnabel sieht dies natürlich anders aus, da sofort klar ist, dass dieser nicht zum Nageln gedacht ist. Da diese in erster Linie dazu dienen Menschen schwer zu verletzen bzw. die Abwehr- und Angriffsfähigkeit von Personen herabzusetzen, sind diese nach dem Gesetz als Hieb- und Stichwaffen einzustufen. Damit dürfen diese zwar als Erwachsener (ab 18. Jahren) frei gekauft und besessen werden, dürfen aber nicht in der Öffentlichkeit geführt werden. Übungen auf dem eigenen Grundstück sind aber absolut in Ordnung. Die Verwendung als Dekoartikel natürlich auch.

Selbst die Verwendung für Schaukämpfe sollte prinzipiell in Ordnung sein, solange alle Spitzen und eventuelle Schneiden absolut stumpf sind! In einem solchen Fall fällt die Verwendung unter den Schutz der Brauchtumspflege und des Sports. Doch Fragen Sie zur Sicherheit ruhig nocheinmal im lokalen Ordnungsamt nach, um böse Überraschungen zu vermeiden. Manche Veranstalter verbieten den Einsatz von stählernen Exemplaren zudem ausdrücklich. Sie können sich demnach aber ruhigen Gewissens einen Morgenstern kaufen.

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