Waidbesteck: Jagdnicker und Waidblatt

Waidbesteck: Jagdnicker und Waidblatt

Das Waidbesteck, bestehend aus einem Trachtenmesser und dem wuchtigen Waidblatt, gehört zu der Grundausstattung eines jeden Jägers und das ist nicht nur seit heute so. Lesen Sie was das im Detail ist und wozu diese Messer traditionell verwendet werden. Erfahren Sie worauf Sie achten müssen wenn Sie sich einen Jagdnicker kaufen möchten, wie Sie die Klingen richtig pflegen und wie diese aus juristischer Sicht betrachtet werden.


Beliebtes Waidbesteck im Vergleich

Linder Jagdnicker Pro-Nicker


Klingenmaterial:

440A

Klingenlänge:

ca. 9,8 cm

Griffmaterial:

Hirschhorn

Gewicht:

ca. 108 g

Full Tang Design:

Scheide inkl.:

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Puma Waidblatt 113588


Klingenmaterial:

Stahl 1.4116

Klingenlänge:

ca. 21,7 cm

Griffmaterial:

Hirschhorn

Gewicht:

ca. 580 g

Full Tang Design:

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Scheide inkl.:

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PUMA Waidbesteck (2er Set)


Klingenmaterial:

Stahl 1.4116

Klingenlänge:

Waidblatt: 21,7 cm

Jagdnicker: 10,4 cm

Griffmaterial:

Hirschhorn

Gewicht:

ca. 580 g bzw. 160 g

Full Tang Design:

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Kombi-Scheide inkl.:

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Was versteht man unter Waidbesteck?

Das Waidbesteck gehört zur Grundausstattung eines jeden Jägers und das ist auch heutzutage noch unverändert so. Dieses gehört zu den kalten Jagdwaffen und besteht im allgemeinen aus einem Jagdnicker und einem Waidblatt. Diese beiden Messer werden zusammen in einer Scheide am Gürtel getragen. Klassisch besteht diese aus Leder. Da beide Klingen grundlegend unterschiedliche Aufgaben erfüllen, möchte ich nachfolgend auf beide einzeln eingehen und Ihnen aufzeigen für was diese verwendet werden können.

Der Jagdnicker - Trachtenmesser für Lederhose

Hierunter versteht man ein klassisch anmutendes Jagdmesser mit einer Länge von meist 10 - 15 cm, je nach Modell. Im Gegensatz zum Hirschfänger, ist dieses aber nur einseitig angeschliffen, obwohl auch dieses hauptsächlich zum Abfangen von Wild genutzt wird bzw. wurde. Unter dem Abfangen versteht man das Töten eines angeschossenen oder verletzten Tieres mit einer Blankwaffe, wenn kein sicherer Schuss möglich ist. Zum Beispiel, wenn sich der Jagdhund am Tier festgebissen hat. Mit einem Jagdnicker erfolgt der Gnadenstoß in das Genick des Tieres über dem obersten Halswirbel. Der Tod tritt sofort ein, wenn das sogenannte Abnicken fachmännisch und damit tierschutzkonform durchgeführt wird.

 Da dies aber ein hohes Maß an Übung erfordert, empfiehlt sich nach Möglichkeit der Einsatz einer Handwaffe oder der Blattfang mit einem Hirsch- bzw. Saufänger. Hiermit wird mit der deutlich längeren und zweischneidigen Klinge durch die Rippen in das Herz oder die Lunge des Tieres gestochen.

Da meines Wissens nach Jungjäger in aller Regel auch nicht mehr im Abnicken ausgebildet werden, wird das Trachtenmesser heutzutage weniger zu seinem ursprünglichen Zwecke eingesetzt, sondern eher als beliebtes Jagdmesser. Dieses wird so zum Abrechen des Wilds genutzt oder für andere anfallende Schneidaufgaben. Die Klinge besteht zu meist aus rostfreiem und damit pflegeleichtem Edelstahl und der Griff klassisch aus Hirschhorn. Modernere Modelle weisen mittlerweile auch Griffschalen aus Kunstoff auf, die deutlich leichter zu reinigen sind. Zudem werden diese Messertypen traditionell zusammen mit Lederhosen als Teil der Tracht getragen.

Jagdnicker kaufen - Trachtenmesser für Lederhose

Das Waidblatt - Der vielseitige Jagdhelfer

Das Waidblatt ist deutlich länger, größer und wuchtiger als der Jagdnicker und stellt so die optimale Ergänzung für das Waidbesteck dar. Es ist um die 30 cm lang und weist einen wuchtigen, balligen Messerkopf auf und wird heute meist aus rostfreiem Edelstahl gefertigt. Es weist ein Parierelement am Ende des klassischen Hirschhorngriffs auf. Konzipiert wurde dieses ursprünglich, um die Funktion mehrer Jagdmesser in sich zu vereinigen. Hierzu zählten unter anderem der Praxe, der Hirschfänger und der Standhauer. 

Puma Waidblatt kaufen - Der vielseitige Jagdhelfer

Durch den wuchtigen und meist nur einseitig geschliffenen Kopf, ist das Messer eher weniger zum Abfangen zu empfehlen, sondern eher für Hiebe. Aus diesem Grund ist die Klinge auch sehr dick gestaltet.

Am Besten eignet sich das Waidblatt zum Abschlagen von Ästen und das Freischneiden von Gebüsch, also zum Freischneiden von Pirschwegen. Auch zum Aufbrechen des Schlosses eignet es sich bestens. Also der Teil des Beckenknochens, der eröffnet werden muß, um den darin befindlichen Enddarm zu entfernen. In der Kombination mit dem Trachtenmesser können so die allermeisten Aufgaben, die mit einer Blankwaffe gelöst werden können, erfolgreich erledigt werden.


Waidbesteck kaufen - Darauf sollten Sie achten

Zunächst sollten Sie sich überlegen, ob Sie sich den Jagdnicker und das Waidblatt einzeln kaufen möchten oder im Set als Waidbesteck. Hier müssen SIe sich überlegen, welche Aufgaben Sie erledigen möchten. Brauchen Sie nur ein flexibles Jagdmesser oder traditionelles Zubehör für Ihre Lederhose, wäre das gesamte Set wohl nicht nötig. Für Jäger hingegen würde ich persönlich schon zum Gesamtpaket greifen, nicht zuletzt, da Sie hier eine Kombi-Scheide für beide Messer erhalten. 

Da beide Messer mechanisch bei weitem nicht so stark belastet werden als andere Outdoormesser, fahren Sie mit den oben aufgeführten Edelstählen sehr gut. Diese sind ausreichend hart, lassen sich gut nachschärfen und sind korrosionsbeständig und damit sehr pflegeleicht. Auch wenn ich ein großer Verfechter von Kohlenstoffstählen bin, würde ich hier nicht dazu greifen, da es in meinen Augen schlicht nicht notwendig ist. 

Waidbesteck kaufen - Beide Messer in einer Scheide

Beim Griffmaterial werden Sie meistens Hirschhorn vorfinden, da dies das klassische Material für diese Messertypen ist und damit machen Sie grundlegend auch nichts falsch. Auf dem Markt sind auch Modelle mit Kunststoffgriffschalen erhältlich. Diese lassen sich leichter reinigen, was nach dem Aufbrechen von Wild durchaus von Vorteil sein kann. Hier ist die Abwägung zwischen Optik und Reinigbarkeit zu treffen.

Bei dem Waidblatt würde ich zudem raten zu einem Modell mit Flacherl zu greifen (Full tang). Das bedeutet, dass der Teil der Klinge unter dem Griff durchgängig ist und nicht in der Hälfte aufhört oder nur aus einem dünnen Stift besteht. Beim Hacken ist garantiert, dass es zu keinem Bruch oder vergleichbaren Beschädigungen kommt. Beim Trachtenmesser ist dies zwar nicht im gleichen Maßen von Bedeutung, aber ich persönlich bin ein großer Freund davon und würde auch hier zu einem solchen Modell greifen.


Auf die richtige Pflege kommt es an

In aller Regel wird für den Jagdnicker sowie das Waidblatt rostfreier Edelstahl verwendet, um die Bildung von Rost und mögliche Verunreinigung des Fleisches zu vermeiden. Zudem lässt sich dieser deutlich leichter reinigen, da weniger beachtet werden muss, um das Messer nicht zu beschädigen. Maßnahmen zum Korrosionsschutz sind demnach nicht zwingend notwendig.

Doch leider ist Edelstahl in aller Regel weicher als vergleichbarer Kohlenstoffstahl und damit auch weniger schnitthaltig. Doch da die Messer in aller Regel mehr zum Schneiden als zum Hacken verwendet werden ist dies hier kein Problem und sogar gewünscht, da diese leichter wieder auf Gebrauchsschärfe geschliffen werden können. Und das sollten Sie auch sehr regelmäßig machen, um das Eindringen in die Haut des Tieres so leicht wie möglich zu gestalten. Besonders beim Jagdnicker ist auf eine stets hohe Schärfe zu achten, um beim Gnadenstoß unnötiges Leid des Tieres zu verhindern. Bei neuen Messern sollten Sie daher unbedingt auf eine hohe Schärfe achten. Wenn diese noch nicht ausreichend ist, müssen Sie dies vor der Benutzung unbedingt nachschärfen.

In meinem Beitrag zum richtigen Messerschärfen gehe ich ausführlich auf die verschiedenen Methoden ein, wie Sie Ihr Messer auf extreme Schärfe bringen können. Für Ihr Waidbesteck würde ich Ihnen japanische Wassersteine empfehlen, da hiermit die besten Ergebnisse erzielbar sind. Allerdings ist das Schleifen damit relativ zeitaufwändig und erfordert ein Mindestmaß an Übung. Wer effizientes Schärfen bevorzugt und dennoch nicht auf gute Ergebnisse verzichten möchte, kann gerne auch das Schärfsystem von Lansky verwenden. Dieses benutze ich selbst für alle meine Messer und hatte hier bei keiner Klingenform je ein Problem. Rasiermesserscharfe Schneiden können damit erreicht werden und das auch wenn die Klinge zuvor komplett stumpf war.


Rechtliche Rahmenbedingungen

Bevor Sie sich nun aber Ihr Waidbesteck, beziehungsweise ein Waidblatt oder einen einzelnen Jagdnicker kaufen möchten, sollten Sie sich zunächst noch kurz Gedanken zur aktuellen rechtlichen Lage machen und was es hier aus juristischer Sicht zu beachten gilt. Nachfolgend möchte ich Ihnen hier meine Gedanken hierzu kurz zusammenfassen. Aber bitte sehen Sie dies nicht als verbindliche Rechtsberatung an und lesen Sie im Zweifel selbst in der aktuellen Fassung des Gesetzes nach, da dieses in regelmäßigen Abständen überarbeitet wird.

Wie bei allen Messern, gilt auch bei Waidbesteck prinzipiell der Grundsatz, dass das Führen ab einer Klingenlänge von über 12 cm nicht ohne guten Grund gestattet ist. Diese werden laut Gesetz als Hieb- und Stichwaffe eingestuft. Solche dürfen außerhalb Ihres Grundstücks eigentlich nur in verschlossenen Behältnissen mitgeführt werden. Unter diese Einstufung fallen alle Messer oder andere Objekte, die in erster Linie dazu gedacht sind durch die Aufbringung von Muskelkraft schwerwiegende Verletzungen oder Gesundheitsschäden zu verursachen.

Puma Waidbesteck kaufen oder doch ein anderes?

Doch keine Sorge, wie so oft gibt es auch hier zahlreiche Ausnahmen. Wird das Messer nämlich zu einem offiziell anerkannten Zwecke mitgeführt, gilt das beschriebene Trageverbot nicht. Zu diesem berechtigten Interesse, zählt nämlich auch die Brauchtumspflege und die Jagd, wie auch der Weg zur Jagd. Im Rahmen dieser Tätigkeit dürfen Sie Ihr Trachtenmesser demnach ohne Probleme offen tragen. Ist die Klinge kürzer als 12 cm, dann ist dies auch auf der Straße prinzipiell erlaubt. Tun würde ich es dennoch nicht.

Sie müssen sich als Jäger demnach keine Sorgen machen, dass Ihnen jemand Ihr Werkzeug abnimmt. Ich persönlich würde Ihnen aber dennoch empfehlen, die Messer auf dem Weg in den Wald, oder zum sonstigen Transport sicher und zugriffssicher zu verstauen. So umgehen Sie lästige und nervige Gespräche und mögliche Probleme, auch wenn Sie eigentlich im Recht sind.

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